Unterwegs mit der Durango-Silverton-Railway

16 05 2011
A&K in Silverton

A&K in Silverton

„Von Durango nach Silverton“ … das klingt doch schon wie ein Kapitel aus einem Italo-Western von Sergio Leone. Und wenn dann noch eine historische Dampflokomotive zehn ebenso historische Waggons über 46 Meilen durch eine enge Schlucht zieht, dann ist die touristische Idylle perfekt. Ganz so idyllisch war es aber dann doch nicht, denn auf der Rückfahrt wurde unsere schöne Dampflokomotive von einer Lawine aus Eis- und Felsbrocken außer Gefecht gesetzt ….

Durango in Colorado ist eine wirklich hübsche Kleinstadt in den Rockies, auf 2.600 m Höhe, inmitten attraktiver Skigebiete und natürlich entsprechend touristisch durchgestylt. Aber irgendwie auch liebenswert und mitunter sogar mit ein bißchen Öko-Hippie-Flair. So gibt es dort einen großartig sortierten Platten- und CD-Laden. Das absolute Highlight ist aber die „Durango-Silverton-Narrow-Gorge-Railway“, die zahlungskräftige Touristen wie uns einmal täglich in das gut 1.000 m höhere Silverton zieht. Die Strecke führt durch atemberaubende Schluchten, an beängstigenden Steilhängen entlang und folgt einsamen Flussläufen. Und wenn man oben in Silverton ankommt, glaubt man, irgendwo in Kanada gelandet zu sein … unbefestigte Straßen, kultige Holzhäuser und Natur pur, so weit das Auge reicht.

da fährt sie (noch), die Dampflok...

da fährt sie (noch), die Dampflok...

Viele von Euch werden die Bahn übrigens schon gesehen haben, denn sie ist Hauptdarsteller oder Kulisse in zahlreichen Filmen, wie zum Beispiel „Polar-Express“ (mit Tom Hanks) oder „In 80 Tagen um die Welt“ (mit David Niven). Die Fahrt mit der Dampfeisenbahn war also ein absoluter Höhepunkt unserer bisherigen Reise; wer in die Gegend kommt, dem sollte das die 90 Dollar pro Person unbedingt wert sein. Und immerhin dauert die Fahrt ja inklusive zweistündigem Auslauf in Silverton von 8.30 Uhr morgens bis 18.00 Uhr abends, also fast zehn Stunden.

Bei uns ist es dann aber deutlich länger geworden, denn einmal mehr hat uns die „normale Touristenversion“ nicht ausgereicht. Nach ca. einem Drittel der Rückfahrt tat es einen kräftigen Schlag, und der historische Zug kam auf freier Strecke irgendwo in der Wildnis zum Stehen. Unmittelbar vor unserem Zug war eine Lawine aus Eis- und Gestein auf die Schienen gestürzt, der Lokführer konnte nicht mehr bremsen und rasselte mit vollem Dampf in das unerwartete Hindernis. Resultat: Massive Metallteile an der Vorder- und Unterseite der 130 Jahre alten Dampflok waren gebrochen, die Lok war nicht mehr fahrtüchtig.

Es war wie im Film: Zunächst wusste keiner so recht, wie es weitergehen sollte. Dann sind wir noch zwei Meilen mit der havarierten Lok bergab geschlichen, wo die einspurige Strecke über ein Ausweichgleis verfügt. Dort durften die gut 120 Passagiere aussteigen und sich die ganze Geschichte (und vor allem die kaputte Lok) aus nächster Nähe anschauen … und das direkt am wilden Fluss zwischen schneebedeckten Bergen.

"Auslauf" für die Touristen - dort wo sonst keiner hinkommt ... oder 120 Passagiere warten auf "Rettung"

"Auslauf" für die Touristen - dort wo sonst keiner hinkommt ... oder 120 Passagiere warten auf "Rettung"

Die Zugbegleiter, natürlich alle in historischer Uniform, waren supernett, die Getränke waren fortan kostenlos, und wir haben viele nette Menschen aus aller Welt kennen gelernt. Nach drei Stunden traf dann eine Ersatz-Lok (eine stinkende Diesel-Lok) ein, die uns dann mit viel Gewackel und Gequietsche nach unten manövrierte.

Was für ein Abenteuer, von dem wir auch unseren Kindern und Enkelkindern noch erzählen können …

Summary for our American friends:
As Tom and Patty had recommended we booked a scenic train ride from Durango (6500 ft) up to Silverton (9500 ft). It was a wonderful ride trough the backcountry wilderness of the San Juan Mountains and the real narrow gorge.
But on the way back to Durango the historic steam engine was damaged by a slide of rocks and ice. We had to wait three hours out there in the wilderness (shooting photographs and having lots of fun with the other passengers) … until a diesel engine came down from Silverton and pulled the historic train down to Durango.
It was an unforgettable day … and another great story we can tell our children and grandchildren.



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3 Antworten zu “Unterwegs mit der Durango-Silverton-Railway”

  • ulla basler sagt:

    hallo ihr beiden…..wie ich euch beneide um die abenteuerliche reise in der dsng-railway!! klingt phantastisch!!! eure tolle landschaftsbeschreibung lässt gewaltige und berührende bilder vor dem inneren auge entstehen……..euer blog macht mir so! viel freude und mittlerweile verfolge ich eure reise tag für tag mit dem finger auf der landkarte…….
    und dass euch die eisenbahngesellschaft mehr geboten hat als die normale touristenversion , steht euch beiden „luxuspralinen“ 🙂 einfach nur zu!
    habt weiter eine wundervolle zeit! liebe grüsse und ciao ulla
    ps. ich bewundere deine kondition, angelika! für foto nr. 2 musst du wohl mit der kamara in der hand hinter der railway hergelaufen sein…..wow!!!
    echt klasse! (oder tricky?)

  • ulla basler sagt:

    ok! das rätsel um foto 2 ist gelöst! es gibt 1o waggons und nicht nur drei.. (hab ich grad nochmal „recherchiert“) jetzt ist alles klar……..
    und ich bin ein wenig erleichtert, denn SO VIEL sportlicher ehrgeiz wär mir doch etwas suspekt gewesen………habts schön miteinander…ciao ulla

  • Susi sagt:

    Uiuiui, so lang wollt ihr euch die Geschichte merken? Seid ihr da nicht ein bisschen *zu* optimistisch, dass ihr davon sogar euren Kindern noch erzählen werdet?! 😛
    Sieht wirklich wundervoll aus 🙂 Aber hier ist natürlich niemand neidisch!
    Die englische Summary gefällt mir übrigens auch. 🙂
    Liebste Grüße auch von Seb, der immer viel schneller mit dem Lesen fertig ist als ich.

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