San Francisco, der Kultur- und Bildungspart (oder: Shiregreen auf der Suche nach dem Hippie-Dream)

5 09 2011
Brisbane - supernett aber megasteil .-)

Brisbane - super-nett und mega-steil 🙂

Den touristischen Teil unseres Aufenthalts in San Francisco hat Angelika ja schon sehr treffend beschrieben, nun bin ich für den Bereich Kultur und Bildung zuständig. Beth Grossman,bei der wir in Brisbane zu Gast sein durften, ist nicht nur eine herausragende und bekannte Künstlerin, sie koordiniert auch ehrenamtlich die Kulturaktivitäten in Brisbane, das so etwas wie eine Künstlermetropole vor den Toren San Franciscos ist. Und so hatten wir die Chance, in vier Tagen Musiker, Umweltaktivisten, Ex-Hippies, Emmy-Preisträger und sogar den Fahrer von Neil Young und Mick Jagger kennenzulernen. Und quasi nebenbei gab es noch ein wunderschönes Shiregreen-Konzert vor der Kulisse der San Francisco Bay …

Yogi in Brisbane (im Hintergrund das Haus von Beth)

Yogi in Brisbane (im Hintergrund das Haus von Beth)

Das Hauptproblem in Brisbane war ein Stellplatz für unser Wohnmobil. Denn wie in San Francisco sind auch in Brisbane die Straßen bergig, schmal und eng bebaut. Als wir am Donnerstag ankamen, haben wir unseren dicken Yogi auf einem leer stehenden Nachbargrundstück abgestellt. Nur wenige Minuten später waren zwei Police Officer mit zwei Streifenwagen vor Ort: Yogi stand direkt vorm Fenster des Bürgermeisters, der nicht informiert war und der das erstmal gar nicht so spaßig fand. Der Hintergrund dieses auf den ersten Blick etwas engstirnigen Verhaltens wurde uns erst nach und nach klar. Brisbane ist so etwas wie eine Oase von Künstlern und Bessergestellten, und da schaut man schon darauf, dass jeder jeden kennt und man auch unter sich bleibt. Wir haben den Bürgermeister dann zu meinem Konzert eingeladen, und damit war auch alles ok.

Abends im Stadtpark Brisbane

Abends im Stadtpark Brisbane

Beth hat sich dann alle Mühe gegeben, ihre Gäste aus Deutschland im Ort einzuführen. So zum Beispiel am Freitagabend beim „Dancing in the Park“, einer Art Stadtfest mit Livemusik. Eine ziemlich funkige Band spielte, und es wurde kräftig abgetanzt. Allerdings war pünktlich um 9 pm Schluss, wie es sich für gute US-Bürger gehört. Essen wurde vom Lions-Club zubereitet, und alle Einnahmen gingen – natürlich – an einen wohltätigen Zweck in der eigenen Gemeinde.

Ein besonderer Höhepunkt war für uns verständlicherweise das Shiregreen-Konzert am Samstag. Beth hatte bereits einige Zeit vorher per Rundmail zu einem Open-air-house-concert mit dem Songwriter aus Germany eingeladen, und die Resonanz war unerwartet positiv. Knapp vierzig Zusagen ließen Beth immer nervöser werden, denn die Kapazität ihrer Terrasse war natürlich begrenzt.

Bühnen-Stillleben auf der Terrasse

Bühnen-Stillleben auf der Terrasse

Aber es blieb zum Glück bei den vierzig Gästen, aber die hatten es in sich. Wie der reichliche Small-Talk in der Konzertpause und nach dem Konzert zeigte, waren jede Menge Kulturschaffende zum Konzert gekommen, wie der Dokumentarfilmer und zweifache Emmy-Preisträger David L. Brown.

Smaltalk in der Konzertpause, Klausspricht grade mit David L. Brown und seiner Frau

Smalltalk in der Konzertpause, Klausspricht grade mit David L. Brown und seiner Frau

Der spannendste Kontakt war für uns aber Jessie Karekass, der jahrelang für den großen Konzertveranstalter Bill Graham als Fahrer gearbeitet hat und uns reichlich mit Anekdoten unterhielt. U. a. wie Neil Young einen seiner fünf Buffalos auf seiner Farm unweit von San Francisco mit einem kräftigen Tritt in den Hintern von der Straße gejagt hat. Oder wie er den Sohn von Mick Jagger vor dem Bus gerettet hat, indem er ihn am Schlafittchen von der Straße gezogen und kräftig angebrüllt hat … und dafür fast von Mick Jagger Prügel bezogen hätte. Das sind so die Geschichten, die sicherlich von Erzählung zu Erzählung blumiger werden, aber dennoch Spaß machen 🙂 …

Klaus & Jessie - (links im Hintergrund das rosa Haus von Jessie)

Klaus & Jessie - (links im Hintergrund das rosa Haus von Jessie)

Das Konzert war superschön, ich denke, das war auf der ganzen US-Tour das Publikum, das am intensivsten Zugehört hat und sogar zwischen den Songs Fragen gestellt hat. Ich habe bewusst eine ganze Menge der neuen Songs eingestreut, um sie auf ihre Tauglichkeit für anspruchsvolle Native-Speaker zu testen. Das Ergebnis war eindeutig: Nach dem Konzert wurde mit fachkundigem Lob wahrlich nicht gespart, und gerade die neuen Songs wie „Colorado”, “Some rain in Santa Rosa” und “When the nighthawks came” sind besonders gut angekommen. Das macht Mut  … Angelika hat übrigens zwei sehr stimmungsvolle Videos aufgenommen, und zwar von „Trails“ und „Queen of Hearts“ jeweils mit der San Francisco Bay im Hintergrund. Einfach mal reinschauen unter http://www.youtube.com/Shiregreensongs

Shiregreen in Concert - kann man hinten rechts mit etwas Phantasie die SF-Bay erkennen?

Shiregreen in Concert - kann man hinten rechts mit etwas Phantasie die SF-Bay erkennen?

Damit waren wir dann auch mehr oder weniger offiziell in die erlauchte Kulturszene von Brisbane aufgenommen. Am Sonntagabend war ein Benefiz-Konzert für die von Schließung bedrohte Schule angesagt, und wir wurden allenthalben mit Schulterklopfen und Umarmungen begrüßt. Höhepunkt des abwechslungsreichen Programms war die stimmlich wie körperlich voluminöse Sängerin Diane Borghese, die als „Anita (I need a) Cocktail“ ein hinreißendes Showprogramm bot. Natürlich alles für den guten Zweck. Für das Essen zuständig war wie immer der örtliche Lions-Club. Burger, Chips und Hotdogs wie immer gespendet vom regionalen Food-Market.

Klaus & Anita Cocktail & AC (hätte ich wohl nicht dranschreiben müssen, oder ?

Klaus & Anita Cocktail & AC (hätte ich wohl nicht dranschreiben müssen, oder ?

Im Rahmen der Konzerte hatten wir das Glück, David Schooley kennenzulernen. David war einer der Aktivisten des summer-of-love, der San Francisco 1967 erfasst und bleibend geprägt hatte. Er war einer meiner liebsten Gesprächspartner auf meiner fortwährenden Suche nach den Überbleibseln des Hippie-Dreams, das sich zu so etwas wie dem Heiligen Gral unserer Reise entwickelt hat.

David und "sein" San Bruno Mtn.

David und "sein" San Bruno Mtn.

David ist aber auch ein hoch engagierter Umweltaktivist und der personifizierte Beschützer der San-Bruno-Mountains. Diese Hügelkette zwischen Brisbane und dem Pazifik präsentiert sich auch heute noch so wie vor der Besiedlung durch den weißen Mann: Dichte Vegetation u. a. mit Nebelwald (und jeder Menge Poison Oak),

Poison Oak - alle Pflanzenteile sind hochgiftig, machen so was wie "Gürtelrose"

Poison Oak - alle Pflanzenteile sind hochgiftig, machen so was wie "Gürtelrose"

indianische Kultplätze und seltene Schmetterlingsarten. Der Schutz dieses ebenso wertvollen wie bedrohten Biotops direkt vor den Toren der Großstadt ist nun seit 40 Jahren die Lebensaufgabe von David Schooley, der auch Programme für Schulklassen anbietet. Er hat uns dann am Montag vier Stunden lang durch sein Reich geführt hat, und für Angelika und mich ist David der wahre „Man of the mountain“ …

Denny, Beth, Diane, David & Klaus auf dem Shell-Mountain, einer 5000 Jahre alten Indianerkultstätte

Denny, Beth, Diane, David & Klaus auf dem Shell-Mountain, einer 5000 Jahre alten Indianerkultstätte

Summary for our American friends:
Angelika has written about the touristic part of our stay in the San Francisco area, now it’s my turn with music, arts and education. We had enormous luck to be hosted by Beth Grossman and her wonderful family in Brisbane. Beth is an outstanding and well known artist we got to know at the International Nature Art Festival in Licherode 2007. And she also is working honorary as the arts liaison for her town. Brisbane is a small town of 3700 colorful local characters near the SF airport. They have a great community of artists and musicians.
In the four days of our stay we got to know musicians, environmentalists, ex-hippies, Emmy-Award-winners and even the driver of Neil Young and Mick Jagger. And by the way we had a wonderful open-air Shiregreen-house-concert  in front of the beautiful background of San Francisco Bay … to songs we’ve recorded
: http://www.youtube.com/Shiregreensongs



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2 Antworten zu “San Francisco, der Kultur- und Bildungspart (oder: Shiregreen auf der Suche nach dem Hippie-Dream)”

  • joachim sagt:

    Auch wenn eurer gelebter Traum langsam zu Ende geht, freut euch auf die verbleibenden Tage. und wer kann schon von sich behaupten, daß er den ‚Gral ‚ gefunden hat. Ihr habt bislang so viel erlebt und gesehen, davon können wir hier nur träumen.
    LG
    Joachim

  • Tina RiRo sagt:

    Schon wieder sooooo viel Musik, Klaus war bestimmt auf Wolke 7 oder??? Das ist so toll, wie ihr immer wieder Kontakte durch die Musik bekommt und das im Laufe der Zeit ausgebaut habt….ich denke , dass deine Erwartungen an den musikalischen Teil der Reise doch bestimmt erfüllt oder ev. sogar übertroffen wurden lieber Klaus oder??
    Liebe Grüße
    Tina

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